
Geboren um genau 7:30 Uhr an einem Frühlingssonntag, Ende April. Aufgewachsen in Hannover ohne jegliches Idiom, welches zwar mein Großvater noch sprach, aber damals schon selten auf der Straße zu hören war. (Es gibt diesbezüglich Anekdoten, die mit Aalen zu tun haben, kann man googeln.) In einem hellgrünen Renault 4 sitzend, löschte ein Baum neben der A29 auf der Reise von Bremen nach Neuharlingersiel beinahe unsere dreiköpfige Familie aus.
Schule mit hellblauem Pelikano-Füllfederhalter und Einführung der Mengenlehre, The Rolling Stones mit 14 im Stadion, Realschulabschluss mit ziemlich langen, Fachabi für Sozalpädagogik mit am Ende ziemlich kurzen Haaren. Wehrdienst proaktiv vor dem Musterungsbescheid verweigert, Zivildienst in der geriatrischen Pflege, in einem Citroen 2CV Charleston umhergesaust, dann mit einem gelben Käfer. Cowboystiefel. E-Bass. Lokalredaktion beim Wochenblatt, alte Olympia-Schreibmaschine meiner Mutter.
Schifffahrtskaufmann schrieb man auch in Hamburg, Lübeck und Bremen noch ohne das dritte f, daran lag es aber eher nicht, dass ich nach drei vergeblichen Versuchen, in diesem Beruf erwähnenswertes Glück zu finden, schließlich irgendwie in einer Werbeagentur bei Hilde und Norbert landete. Ihre spätere Einschätzung, ich solle das mit Grafik-Design besser mal vergessen und doch lieber Texte schreiben, erwies sich irgendwann als richtig. Während des Praktikums am Wochenende Frühschicht ab 3:00 Uhr als sozialpädagogischer Betreuer in einem Wohncontainerdorf für Asylsuchende. Ich durfte nicht, der freundliche Familienvater aus dem Libanon, Physiker, konnte nicht schlafen. Seitdem der Wunsch, mal nach Beirut zu reisen. Als Junior-Texter Wörter sinnfällig aneinanderreihen, für große Kaufhausketten – ausschließlich Bekleidung – und Schulbuchverlage (den Rest weiß ich nicht mehr), nebenbei Abendstudium zum Kommunikationswirt, damit man später mal was in der Hand hat.
Die letzte Agentur in Hannover, in der ich angestellt war, besaß einen an der Wand befestigten Aktenvernichter mit gefülltem Plastikbeutel, in den nach einem Kurzschluss in der darüberliegenden Steckdose ein Funken fiel. 100 Jahre altes Haus, Jute-Leitungen, ein herbeigerufener Elektriker erwähnte Wochen vorher nebenbei, man solle »hier echt mal vorsichtig sein, Leute!«.
Umzug nach Stuttgart, bis heute anhaltend in eine schwer unterschätzte Stadt verliebt, Nischi, Joachim, Robert, Uli, Detlef, Franzi, Stefan, Markus, aus einem bis heute schwer nachvollziehbaren Impuls heraus trotzdem nach Hamburg gezogen. Aus Heimweh illegale und briefmarkengroße Streams der Spiele des VfB Stuttgart angeschaut, im Frühling 2007 auf der Terrasse einer Agentur von Kollegen verlacht worden, weil ich auf die Frage, wer denn Meister werden würde, den VfB nannte. Heute Mitgliedsausweis und Fußballromantiker. Als Strandsegler auf der dänischen Insel Rømø einmal ganz oben auf dem Treppchen gestanden, überambitioniert zur Weltmeisterschaft nach Ostende gefahren, dort freundlich, aber letztlich doch sehr bestimmt auf den Boden der Tatsachen geholt worden. Zweimal umgezogen, viele Jahre Freelancer, viele Menschen, viele Agenturen, vier enge Freunde, eine große Liebe. Klavier lernen, ohne Noten. Bei drei Nick Cave Konzerten am Ende auf der Bühne gestanden und für gewisse Zeit den Verstand verloren. Und Italien, bis hierher.
Als der Sohn von Herrn Scholz, der oben unterm Dach wohnte, zum Bundeskanzler vereidigt wurde, war ich schon in Bregenz. See, oh ja, der See. Vinyl. Bücher. Konzerte immer zu weit weg. Und irgendwas kommt dann jetzt wohl.
Auftauchende Erinnerungen und ausgedachte Ereignisse gibt es hier. Alles rund um Kommunikation da: ichwilleinpony.com
